Twitter und so

Gerade hatte ich ein längeres Gespräch mit einem befreundeten Medien-Profi. Iran war das Thema und Twitter und die interessanten Einblicke, die man über Twitter hat. Aber wie Twitter genau funktioniert und wieso Menschen das nutzen, das hatte mein Bekannter überhaupt nicht verstanden. Für die meisten ist das sicher ein alter Hut. Wen es doch interessiert, meine ersten Twitter-Gehversuche habe ich vor ein paar Wochen in der WirtschaftsWoche veröffentlicht.

Freunde für unterwegs.

Sebastian Matthes beschreibt seine ersten Tippversuche in der Twitter-Welt.

Am Anfang sind im Internet alle gleich. Wir haben keine Freunde und alles, was wir sagen, geht im Rauschen unter. Nirgends merkt man das schneller als bei Twitter. Mein Computer zeigt den 15. April 2008, und ich bin seit wenigen Minuten Mitglied in der Gemeinde der Twitter-Nutzer. Unter der Internet-Adresse http://www.twitter.com/smatthes erscheint: „Hallo Welt…“ Das habe ich gerade geschrieben, eine Sekunde später steht es im Netz.

Twitter-Mitteilungen sind so etwas wie SMS-Nachrichten an die Welt. Doch die Welt antwortet nicht. Monatelang hatte ich Twitter beäugt, hatte beobachtet, wie Fans und Feinde über den neuen Kurzmitteilungsdienst stritten. Weshalb verschicken Millionen Menschen begeistert Nachrichten mit 140 Zeichen über das Internet? Kommunizieren wir nicht schon genug? Ich beschloss, Twitter auszuprobieren. Die Anmeldung dauert wenige Minuten. Ich gehe auf die Web-Seite http://www.twitter.com, klicke auf den Knopf mit der Aufschrift „get started“. Dann tippe ich meinen Namen ein, wähle als Nutzernamen smatthes und gebe meine E-Mail-Adresse und ein Passwort an. Schon kann ich losschreiben.

Doch noch bin ich allein. Keiner interessiert sich für meine Texte, und mein Nachrichteneingang ist leer. Über die Suchfunktion stöbere ich die Profile von Kollegen auf. Um Nachrichten von Bekannten zu abonnieren, klickt man auf den Button „follow“ in ihrem Profil. Schon werden deren Kurznachrichten auf meiner Twitter-Seite angezeigt, ich bin jetzt ihr virtueller Verfolger, ein „Follower“. Doch die drei Kollegen, die schon dabei sind, reichen mir nicht. Ich klicke mich durch ihre Follower-Liste und schaue mir an, wem sie folgen. Einige davon nehme ich in meine Liste auf.

Dann kommt die erste Antwort: „@smatthes: endlich bei Twitter. Willkommen!“ schreibt einer, dem ich seit einigen Minuten folge. Beginnt man eine Nachricht mit @ und gibt dann den Namen eines anderen Twitter-Nutzers an, sortiert Twitter die Nachricht in den Ordner „Replies“, also Antworten. So versteht der Gegenüber, dass man sich auf seinen Beitrag bezieht. Lesen kann die Antwort allerdings jeder Twitter-Nutzer.

Nach wenigen Tagen habe ich 30 Follower. Sie kommen neu dazu, wenn ich etwas schreibe, wenn ich die Nachricht eines Bekannten weiterleite, „retweet“ wird das genannt. Twitter ist wie ein Gespräch auf einer Party oder auf dem Büroflur, mal trivial, mal ernsthaft. Kein Wunder, dass der Dienst bei Freiberuflern beliebt ist, die zu Hause arbeiten. Anders als bei sozialen Netzwerken wie Facebook, in denen ich viele meiner 246 Kontakte persönlich kenne, habe ich nur einen Bruchteil meiner Twitter-Follower jemals gesehen.

Bei Twitter kann man jedem folgen. In sozialen Netzwerken muss mein Gegenüber einer Online-Bekanntschaft zustimmen. Inzwischen nutze ich Twitter täglich, meist nur wenige Minuten. Ich schreibe über private London-Trips und über interessante Berichte, die ich gelesen habe. Vor ein paar Tagen hatte ich einen Link zu einem Artikel über Solar-Rennwagen getwittert. Einige meiner Follower haben die Nachricht weitergeleitet. Dadurch beschlossen wieder andere, mir zu folgen. Einer der neuen Verfolger schickte mir per privater Nachricht Hinweise zu Artikeln über Solar-Autos.

So entstehen Beziehungen. Viele nutzen Twitter unterwegs. „Bin gerade in Tegel gelandet, hat jemand Zeit für einen Kaffee?“, schrieb neulich ein Freund von mir. Längst gibt es für wichtige Handy-Modelle Programme, mit denen man auch unterwegs twittern kann. Inzwischen können bei manchen Podiumsdiskussionen die Zuschauer per Twitter Kommentare und Fragen beisteuern, die auf einer Leinwand für alle sichtbar ist.

Neulich habe ich nach einem langweiligen Tatort meinen Laptop aufgeklappt. Ich twitterte: „Wochenende endet mit schwachem Tatort.“ Die Antwort kam prompt: „@smatthes Ich wünschte mir, ich hätte ihn ganz verstanden…“ Menschen aus dem ganzen Land diskutierten bereits über die Sendung. Es war so, als hätte man ein paar Freunde eingeladen und würde zusammen fernsehen. Das kann auch nerven. Doch man hat immer die Wahl, Twitter einfach abzuschalten. Heute verfolgen 520 Menschen, was ich schreibe. Ich wiederum lese bei etwa 400 Menschen mit, darunter Kollegen und PR-Leute, aber auch Politiker wie Arnold Schwarzenegger und Barack Obama. Einmal habe ich geschrieben: „@BarackObama: Are you really twittering yourself or is it your PR-assistant?“ Auf eine Antwort warte ich aber immer noch.

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